Engagement Mindset – mit Marc Kuhlmann

In der vergangenen Woche hat sich unsere Kollegin Eva Beyer (Social Media Managerin) mit unserem Hamburger Kollegen Marc Kuhlmann (Senior Consultant Creation) zum Thema „Engagement Mindset“ unterhalten. 

Das Gespräch fokussierte sich auf die Frage, welche Rolle Engagement für das Projektmanagement spielt, wie es ins Projektmanagement übersetzt werden kann und die über die Potentiale von Engagement für unsere Kunden.

Eva: Lieber Marc, lass uns ein paar Icebreaker-Fragen machen! „Apfel oder Birne“ sozusagen, um einfach ein bisschen mehr über Dich zu erfahren und ein Gefühl von Dir als Person zu bekommen. Los geht´s!

Urlaub an der Ostsee oder Nordsee?
Marc: Ostsee.
Eva: Podcast oder Hörspiel?
Marc: Hörspiel.
Eva: Apfel oder Birne?
Marc: Birne.
Eva: Kreation oder Ko-Kreation.
Marc: Kreation.

Was ist ein Engagement Mindset?

Eva: Du hast bei der Global Learning Week für unsere MCI Kollegen weltweit einen Workshop zum Thema „Engagement Mindset“ / „Engaging Mindset“ gehalten. Der Workshop hat sich gleich zwei Zielen genähert: 1. Teilen von Informationen zum „Engagement Mindset“ und 2. unsere Projekt Manager zu inspirieren, so dass sie sich in der Rolle des aktiven Gestalters von neuen Prozessen wiederfinden können und vor allem mehr „engaging“ denken.

Bevor wir richtig eintauchen, eine wichtige Frage vorab: Wie würdest Du das „Engaging / Engagement Mindset“ beschreiben? Und was ist eigentlich richtig „Engagement Mindset“ oder „Engaging Mindset“?

Marc: Die „Wordings“ sind am Ende des Tages nicht so sehr relevant. Engagement ist etwas, das sich MCI auf die Fahne geschrieben hat, und ich benutze es, damit wir alle ein gemeinsames Verständnis davon bekommen. 

Wenn ich es mit anderen Begriffen beschreiben müsste, dann würde es darum gehen, den Kunden an jedem Punkt im Projekt zu beraten. Mit dem Ziel, uns über rein logistische Aufträge hinaus zu entwickeln. Dazu gehören Schritte, wie etwa ein Briefing zu hinterfragen, diese nicht einfach anzunehmen, hinzunehmen und umzusetzen. Aktiv zu fragen, wie die konkrete kommunikative Aufgabe lautet oder auch, wie wir alle Menschen, die am Prozess beteiligt sind – von unserer Kunden- und Endkundenseite – möglichst stark mit auf den Weg mitnehmen und involvieren können.

Die Haltung, beraten zu wollen, ist das, was es für mich ausmacht. 

Eva: Und wenn ich jetzt in Richtung Ko-Kreation denke, würdest Du zustimmen, dass es auch darum geht, den Kunden aktiv zu involvieren und sein Briefing wohlwollend zu „challengen“, um von seinem Wissen zum Unternehmen zu profitieren?

Marc: Ja, auf jeden Fall. Das ist auch der Kern der Sache. Die Erfahrung, die ich gemacht habe zeigt, je früher man in dem Projekt-Prozess damit anfängt, umso stärker wird das Ergebnis.

Als reine Logistiker können wir auf Dauer nicht bestehen. Der Markt ist zu hart umkämpft, da herrscht ein starker Preiskrieg und Preisdruck. Eine starke Umsetzung und eine starke Logistik sind natürlich nach wie vor extrem wichtig. Aber für uns heißt das zusätzlich, dass wir den Kunden auch auf anderen Ebenen von uns überzeugen und ihn langfristig inhaltlich an uns binden.

Sobald der Kunde ein Projekt hat, das wir umsetzen können, soll er an uns denken. Und das wird er, aus unserer Sicht, am ehesten tun, wenn er uns für unverzichtbar und unverwechselbar hält. Und das geht am besten über inhaltsgetriebene Projekte und Umsetzungen. 

Das setzt voraus, dass wir uns mit den Inhalten auseinandersetzen und dies direkt am Anfang eines Projekts tun. 

Eva: Wenn Du von Prozessen sprichst, wann kommt das „Engagement Mindset“ aktiv ins Spiel? Gleich direkt am Anfang, wenn das Briefing eintrifft? Oder erst im nächsten, also späteren Schritt, wenn es um die Entwicklung von ersten Ideen geht?

Marc: Im Idealfall greifen der Impuls, etwas „engaging“ zu machen, und die Prozesse der Planung und Umsetzung nahtlos ineinander. 

Ich nenne mal ein Beispiel: Du hast als Projekt Manager die Aufgabe, Menschen von A nach B zu transportieren, und es lässt sich nicht vermeiden, dass dieser Weg lang ist. Du hast schlichtweg eine lange Transferzeit. 

Man sollte sich längst nicht mehr mit der Transfer-Leistung zufriedengeben, sondern darüber hinaus mit Blick auf das Gesamt-Konzept überlegen, wie man die Transfer-Zeit nutzen kann, um mehr „Engagement“ und eine Aktivierung der Zielgruppe zu schaffen. 

Diese Sichtweise kommt natürlich nicht von heute auf morgen. Engagement vom Anfang mitzudenken, ist im letzten halben Jahr ein wenig mein Steckenpferd geworden. Unsere die Kolleginnen und Kollegen haben alle verstanden, worum es geht, aber das „Engagement Mindset“ ist kein Betriebssystem, was Du einfach aufspielst und dann läuft das. Das braucht Zeit und Geduld – von allen Beteiligten. Darum ging es auch in dem Workshop, nämlich aus dem Wissen einen Impuls zu machen. 

Daher wünsche ich mir, dass wir am Anfang sehr vereinfacht drüber nachdenken, weniger prozessual oder gar verkopft. „Das Engagement Mindset“ soll wirklich langsam und mit Sorgfalt in Fleisch und Blut übergehen. 

Eva: Wo starte ich also meinen „Engagement Track“ – du hattest diesen Abschnitt im Workshop so genannt – über einen Einstieg mithilfe von Kreativ-Techniken? Bzw. hattest Du auch in Deiner Session von einer Checkliste gesprochen, kannst Du dazu ein bisschen mehr erzählen?

Marc: Kreativ-Techniken können natürlich helfen. Aber das ist für mich schon wieder ein nächster Schritt. Selbst kreativ zu werden, das muss man aus meiner Sicht am Anfang erstmal gar nicht. 

Man kann sehr viel einfacher anfangen und bei einem Projekt die Kreation einfach nur mit an den Tisch bringen. Auch wenn der Kunde „nur“ ein Logistikthema anfragt. Oder beim Kunden immer das Konzept anfragen, um das große Ganze zu verstehen. Um jene Dinge, die auf logistischer Ebene gefragt sind, dementsprechend auch entwickeln zu können. Es geht darum, alle in diesen Prozess mit einzubinden, in der alltäglichen Arbeit.

Umso häufiger man das so praktiziert, umso mehr festigt sich der Impuls, mehr Engagement einzubringen. Auch wenn, wohlgemerkt, der Zeithorizont, über den wir hier zur Festigung sprechen, relativ lang ist. Es braucht Langmut und Geduld, das ist ein Marathon. 

Eva: Ich korrigiere mich also: Kreativität und „Engagement Mindset“ sind nicht das gleiche. Das eine ist die Disziplin und das andere die Einstellung, sprich auch der eigene Anspruch an unsere Arbeit. Ich glaube, für viele ist es häufig ein und dasselbe und deswegen ist es gut, dass wir das noch einmal klar voneinander trennen.

Stichwort „Checkliste“: kannst Du uns dazu mehr sagen? Es ist, so habe ich es verstanden, keineswegs ein Tool im Ordner XY mit dem ich alles einfach abhake – siehe auch Schema F. Sondern es ist ja etwas, wo ich mir entsprechende Gedanken mache, um am Anfang des Projektes in diese Haltung, ergo Stimmung, zu kommen. Ein kleiner eigener Leitfaden, richtig?

Marc: Ja. Im Idealfall erreichen wir, dass das zu einer inneren Haltung wird, dass man gar nicht mehr anders kann (und will). Dann sitzt Du mit einem Kunden im Austausch, der Kunde sagt etwas, und du fängst sofort an, das zu hinterfragen oder weiterzuentwickeln oder Du inspirierst dein Gegenüber.

Bei der Engagement-Checklist ging es mir deshalb darum, etwas zu kreieren, beziehungsweise, die Teilnehmer etwas kreieren zu lassen, dass diese Impulse überhaupt auslöst. Und zwar sehr niedrigschwellig, sehr einfach. Denn wir müssen diesen Vorgang vom Kopf ins Herz und in den Bauch bekommen. Dass es zu etwas wird, das aus einem rausdringt. Zu etwas Natürlichem, etwas Automatischem.

Ich bin ein großer Fan des Instinktes. Trifft der eigene Instinkt – aus meiner Sicht die Menge an Erfahrungen, die man hat – auf eine Anforderung oder Idee, kann in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit ein Abgleich stattfinden. Dieser Instinkt gepaart mit dem Impuls, im Sinne von „Engagement“ zu beraten, führt schnell zu Ergebnissen, die sich entwickeln lassen.

Die Idee hinter der Checkliste war, ein Tool zu schaffen, das einem dabei hilft, sich in diese Richtung aufzumachen und diesen Impuls in sich selbst auszulösen. Sie ist sehr einfach. Sie ist wie eine Piloten-Checkliste, hat nicht mehr als 10 Anweisungen, die man befolgen kann aber nicht muss. 
Jede Anweisung soll mit einem Imperativ anfangen. Also „Rufe einen Freund an“ oder „Frage einen Kollegen“ in dem Duktus. Die Liste soll und kann dann ganz am Anfang eines Projektes genutzt werden, noch vor dem ersten Spatenstich sozusagen.

Eva: Wo siehst Du im „Engagement Mindset“ die größten Potentiale für unsere Projekt-Teams und individuellen Kollegen?

Marc: Überall! Eigentlich an jedem Punkt des Prozesses.

Bei uns intern, indem wir das Engagement untereinander erhöhen. Ein Beispiel: Du ja hattest bereits Ko-Kreation angesprochen. Ich lade jetzt immer öfter Kolleginnen und Kollegen ein, Aufgaben im Kreationsbereich zu übernehmen. Es gibt viele im Team, die große Lust darauf haben und nun selbst an einem Skript schreiben oder texten. Durch die Zusammenarbeit, über den eigenen Arbeitsbereich hinaus, entstehen neue Perspektiven!

Im Gegenzug versuche ich mich als Kreativer in die Sphären des Projektmanagements hineinzudenken und mitzuarbeiten. Ich beginne damit bereits in der Beratung des Kunden. Denn die Kreation alleine kann nicht wissen oder vorhersagen, wo es lang geht. 

Ganz im Gegenteil! Wir brauchen das Projektmanagement, um hinterher nicht nur ein kreatives sondern vor allem ein strategisch kluges Konzept und eine erfolgreiche Umsetzung zu erzielen. Alles gehört zusammen!

Abschluss mit Message

Eva: Ich denke, unsere Leser haben ein gutes Bild bekommen. Ein Potential ist mir besonders groß hervorgestochen: die eigene Komfortzone zu verlassen. Wir alle kennen das, wenn man lange in seinem Feld arbeitet, tendiert man dazu, Sachen zu pauschalisieren und zu generalisieren. Man hat gelernte Abläufe und zeigt Verhalten, die nicht selten den Nebeneffekt bewirken, dass man sich ein bisschen eingräbt. 

Durch das Zelebrieren eines „Engagement Mindset“ entsteht die Öffnung und somit die Chance auf Austausch mit anderen. Man ist weniger für sich allein, und kann durch Interaktion mit seinen Kunden, Kollegen oder auch den Dienstleistern deutlich mehr erreichen. 

Marc: Ja richtig, es betrifft aber nicht nur das Individuum. 
Als Organisation schreibt man da nicht einfach oben „Designer“ drauf, sondern wir müssen als Organisation ein Engagement Mindset haben und es auch leben. 

Das bedeutet, dass man sich einander zuhören möchte. Es bedeutet aber auch, als komplette Organisation, und vor allem für alle ab den seniorigen Positionen, sich in Neu-Deutsch zu „committen“ und entsprechend einzubringen und zu fördern. 
Ich erinnere noch einmal an das Betriebssystem. Wenn man in diese Richtung möchte, wird es nie ein „richtig“ oder „fertig“ geben. 

Der Gewinn für einen selbst, ist meiner Meinung nach, extrem groß. Wenn ich ein eigenes Eisen im Feuer habe, ist natürlich die Identifikation mit der eigenen Arbeit viel größer, weil ich etwas habe, was ich umsetzen will. Weil das meine eigene Idee ist, und ich will sehen, dass die gut umgesetzt wird und die Ziele erreicht werden, die gesetzt wurden. 

Das macht am Ende des Tages sehr zufrieden. Dann macht man seine Arbeit gerne. Das kann sich toll multiplizieren. Dann spürt man auch sein eigenes Engagement seiner eigenen Arbeit gegenüber. 

Eva: Und ich glaube auch, wie Du sagst, diese Haltung ist wie ein Multiplikator. Wo ich auch zu meinem letzten Punkt komme: Wo profitiert eigentlich der Kunde?

Marc: Von all dem, wovon wir auch profitieren. 
Wir können es schaffen, den Kunden eher zu begeistern. Wir können etwas zum Leben erwecken, wo der Kunde das Gefühl hat, dass auch bei ihm die Begeisterung für die eigene Sache hochkommt. Wo er sagt „wie toll, jedes Mal, wenn ich mit MCI zu tun habe, stellen die mir was vor oder stellen mir Fragen. Oder schlagen mir Locations vor, die so toll passen! Das macht Spaß, das motiviert mich auch.“

Eva: „Das bringt mich selber auch ein Stück weiter.“

Marc: Ja, und das strahlen unsere Kunden dann – oder wir gemeinsam als Team mit dem Kunden – dann wieder an die Menschen, die als Teilnehmer oder als Endkunden teilnehmen, aus. 

Der Mehrwert am Ende des Tages ist, und davon bin ich überzeugt, dass auch der Kunde eine größere Bindung zu seinen Kunden erreicht. Und das, glaube ich, ist relativ einfach.

Eva: Das ist ein Domino-Effekt.

Marc: Ganz genau! Der Kunde kommt dann gerne zu uns zurück, denn er merkt, dass wir ihn nicht einfach nur als Umsatz sehen.
Und wenn wir beraten können, und wenn der Kunde uns auf dieser Ebene vertraut, dann können wir auf allen Ebenen nur gewinnen.