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Clubhouse-Konkurrenz in den Startlöchern: der heiße Markt der Audio-Formate

Der Hype der Trend-App Clubhouse ist – zumindest im deutschsprachigen Raum – abgeebbt. Einerseits ist die Mehrzahl der anfänglichen Nutzer müde der meist nur noch stereotypen Diskussionen. Die Zeiten, in denen man sich mit Prominenten wie Elon Musk quasi von Smartphone zu Smartphone via Clubhouse austauschen konnte, sind passé. Andererseits gibt es Probleme mit dem Datenschutz. Ein Momentum, dem sich die mächtigen Konkurrenten, die sich längst in Stellung gebracht haben, nun zu Nutze machen werden.

Facebook und die „Soundbites“

Langsam, aber sicher übernehmen vor allem die bekannten „Big Player“ das Ruder im Audio-Markt. Etwa Facebook. Der amerikanische Netzwerk-Gigant hat den Start seiner Audio-Tools für das Ende des Sommers angekündigt. Es soll monetarisierbare Live-Audio-Räume geben, spezielle KI-Tools und integrierte Podcasts. Und für kurze Audio-Clips, „Soundbites“, sollen Technologien wie Speech-to-Text und Sound-Morphing verfügbar sein. Anders als derzeit bei Clubhouse ist geplant, die „Facebook Live Rooms“ auch als Plattform für private Meetings unter Freunden nutzen zu können.

Spaces von Twitter

Twitter ist offensichtlich noch in der Entwicklungsphase, mit rund aktiven 200.000 Followern, die das neue Programm „Spaces“ schon jetzt nutzen und testen dürfen. Viele Aspekte seien allerdings noch in Arbeit, so Produktchef Kayvon Beykpour. So habe man etwa noch nicht entschieden, ob es eine Aufnahmefunktion geben soll. Eventuell werden interessante Fragmente von Talkrunden aufgenommen und später abrufbar sein.

Twitter hat natürlich wie Facebook den Vorteil, auf ein bestehendes Netzwerk von Millionen Nutzern zurückgreifen zu können. Jeder, egal mit iOS oder Android, soll den Spaces beitreten und zuhören können. Er herrscht ein „open house“-Prinzip, das heißt: Nutzer müssen nicht einmal zwangsläufig Follower sein. Sie benötigen lediglich den Link, um den Raum „betreten“ zu können.

Einen Space selbst erstellen, kann momentan allerdings nur eine kleine Gruppe von iOS-Nutzern. Später soll dies für alle möglich sein. Während bei Clubhouse die Zahl der Zuhörer bei einer Talkrunde auf 5000 begrenzt ist, soll es bei Spaces keine Beschränkungen geben. Gleichzeitig können bis zu elf Teilnehmer das Wort ergreifen, mit der Zeit sollen es noch mehr werden. Wie bei Clubhouse können auch bei der Twitter-Version Zuhörer ein Handzeichen geben, wenn sie sprechen wollen und der Host kann die Erlaubnis erteilen.

Erkennbar sind die Unterhaltungen in der oberen Menüleiste, in der auch Twitters sogenannte Fleets – die selbstlöschenden Tweets – verlinkt sind. Für die Steuerung der Unterhaltung will Twitter neue Funktionen entwickeln – etwa die Möglichkeit, Redner, die sich schlecht benehmen, herunterzustufen. Spaces ist auch für schwerhörige bzw. gehörlose Menschen zugänglich: Wenn die jeweiligen Sprecher vorher die Erlaubnis geben, dass ihr gesprochenes Wort als Untertitel erfasst wird, haben die Zuhörer die Möglichkeit, diese Option zu nutzen. Auch ein Scheduling Tool und ein Privacy Feature soll es bei Spaces geben.

Voice Chats von Telegram

Auch der Messengerdienst Telegram baut mit seinem neuen Update faktisch ein eigenes Clubhouse nach. Geworben wird mit „millions of live listeners“ (übersetzt: Millionen Live Zuhörer) und, dass es sich um „public radio reinvented for 21st century“ (übersetzt: öffentliches Radio neu erfunden für das 21. Jahrhundert) handeln soll.

Erstmals erschienen die „Voice Chats“ im Dezember 2020. Aktuell sind sie auf allen Kanälen verfügbar – und es gibt keine Begrenzung für die Anzahl der Teilnehmer.

Administratoren von Telegram-Gruppen können Teilnehmer auf die Bühne holen und mit diesen sprechen. Alle anderen hören zu und können bei Bedarf virtuell „die Hand heben“, wie bei Clubhouse. Mit dem Unterschied, dass Telegram auch für Android-User verfügbar ist.  UND Telegram auch Gesprächs-Aufzeichnungen zulässt. Klares Zeichen, wenn ein Gespräch aufgezeichnet wird: Es leuchtet eine rote Leuchte neben dem Titel des Sprachchats. Außerdem möglich: aufnehmbare Sprachchats, umfangreiche Teilnehmerlisten, Einladungslinks für Sprecher und Zuhörer, Titel für Sprachchats und eine Möglichkeit für Personen des öffentlichen Lebens, Sprachchats als ihre Kanäle beizutreten.

Nutzer haben darüber hinaus die Möglichkeit, die häufig recht langen Sprachnachrichten in mehreren Etappen nachzuhören. Dank KI „merkt sich“ die App, an welcher Stelle pausiert wurde und startet das nächste Mal genau dort. Die neue Stereo-Audio App ist zwar primär fürs Podcasting gedacht, erfüllt aber nahezu die gleichen Funktionen wie Clubhouse. Dabei wird allerdings das Thema Datenschutz um ein Vielfaches genauer genommen als bei Clubhouse. 

LinkedIn setzt auf die „Creators“

LinkedIn ist ebenfalls dabei, ein Audioraum-Produkt an den Start zu bringen, um den Trend für die eigene Plattform zu nutzen. Ziel ist, dass sich Mitglieder ihrer eigenen Community noch crossmedialer präsentieren. Etwa in geschlossenen Gruppen, mit exklusiven Audioerlebnissen und im Rahmen von Events. Dabei sollen die audio-basierten sozialen Interaktionen vor allem dazu genutzt werden, Fachexperten in Nischen- und Branchendiskussionen an LinkedIn zu binden. So könnte LinkedIn seine Branchenpräsenz weiter ausbauen. Dies wiederum eröffnet Marken neue Möglichkeiten, auf der erfolgreichen Businessplattform mehr Warnehmung und Aufmerksamkeit aufzubauen.

LinkedIn möchte zudem in der Zukunft mehr den “Creator” („Schöpfer“) im Nutzer adressieren. Diese sollen bestenfalls ihre Stories mit Audio-Tools pushen, um mehr Reichweite zu erzielen und die Beitragswelt bunter zu gestalten.

Live-Talks und Podcasts bei Stereo

Die App Stereo ist bereits seit letztem Jahr verfügbar. Im Gegensatz zu Clubhouse ist sie sowohl für iOS als auch für Android verfügbar. Stereo verbindet Live-Talks mit Podcasts. Die Gespräche können aufgezeichnet und später als fertige Audiodatei veröffentlicht werden. Nutzer der App können außerdem Sprachaufnahmen machen und diese dem Host eines Gesprächs zuschicken. Der wiederum kann die Aufnahmen direkt in den Live-Talk einbauen. Ein großer Unterschied zu Clubhouse: Bei Stereo sind die Nutzer nicht mit einem eigenen Profilbild unterwegs, sondern mit Avataren, die sie selbst gestalten können. Kaum einer verwendet seinen richtigen Namen, was das Ganze aber ziemlich undurchsichtig macht. Es wirkt dadurch insgesamt weit weniger seriös als Clubhouse.

Unser Fazit: Clubhouse hat auf dem deutschen Markt an Bedeutung verloren.  

Auch wenn die Macher der App aktuell versuchen,  mit dem „Creator First Programm“ und einigen anderen kleineren Features die eigene Community stärker an sich zu binden, bleibt die Frage, ob dies schnell genug gelingen kann.

Professor Tobias Kollmann, der an der Universität Duisburg-Essen zu digitalen Geschäftsmodellen lehrt und forscht, ist überzeugt, dass „der Trend hin zu auditiven Online-Plattformen“ Bestand hat. Das Format als solches wird durch die etablierten social media-Flaggschiffe weiter an Fahrt aufnehmen. Unternehmen und Marken sollten also zukünftig ihren Content so entwickeln, dass er crossmedial einsetzbar und auch ohne Bildschirm (z.B. als Erholung von der „Screen Fatigue“) konsumierbar ist.

Audio-Formate sind sowohl für die Vor-Kommunikation/Ankündigung von Events und Kongressen als auch während und nach Events geeignet.

Das eigene Unternehmen kann unter Mitwirkung von Gast-Rednern, Testimonials und/oder Promis positioniert werden und innerhalb der Zielgruppe ins Gespräch kommen. Es bietet sich an, mittels eines Audio-Formats eine Wahrnehmung für Spezial-Themen zu schaffen und verlockende Einblicke zu teilen.

Schon länger besteht die Möglichkeit, Podcasts auf Spotify und iTunes hochzuladen. Mithilfe von „Stereo“ können jetzt aber auch Inhalte aufgenommen und später ins Live-Programm, auf der Event-Plattform oder den Social Media-Kanälen eingebettet werden. In Erweiterung des Event-Programms können Audio-Foren angeboten werden, in denen man sich etwa zu einem abendlichen Come Together trifft, um das Community-Building voranzutreiben.

Nach dem Event kann die Nutzung von Spaces oder dem neuen LinkedIn Audioraum einen weiteren Push geben: Dabei wird bekannter Content aktualisiert und um neue Learnings und Erkenntnisse erweitert. So können eine Kontaktverlängerung und Stärkung der Community erreicht werden. 

MCI Deutschland berät gern zum konkreten Einsatz dieses spezifischen Kommunikations-Kanals und der Auswahl der geeignetsten Anbieter, zugespitzt auf die individuelle Zielgruppe.

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Eva Beyer

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